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Ernährung bei Krebs: Was ist gesund?

Bei einer Krebserkrankung benötigt der Körper eine spezielle, ausgewogene Ernährung. Worauf Krebskranke achten sollten, erklärt Dr. Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationsdienst
von Daniela Frank, aktualisiert am 05.08.2016

Gesund und lecker: Eine ausgewogene Ernährung ist bei Krebs besonders wichtig

Plainpicture / GmbH

Dr. Susanne Weg-Remers leitet den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

Frau Dr. Weg-Remers, wie sollten sich Krebskranke am besten ernähren?

Während der Krebstherapie werden Patienten mit Untergewicht oder drohender Mangelernährung speziell behandelt. Alle anderen Patienten benötigen in etwa dieselbe Energiemenge wie Gesunde, allerdings in etwas veränderter Zusammensetzung: Sie sollten sich zum Beispiel eiweißreicher ernähren als Gesunde: Statt mindestens 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilo Köpergewicht pro Tag sollen es 1,2 bis 1,5 Gramm sein, bei schlechtem Ernährungszustand sogar bis zu 2 Gramm. Denn Tumorpatienten haben einen erhöhten Eiweißumsatz und bauen sonst unter Umständen Muskeln ab.

Außerdem sollten Krebskranke mehr Kohlenhydrate zu sich nehmen als Gesunde – 60 statt 50 Prozent der täglich aufgenommenen Energie. Der Bedarf an Nährstoffen und Vitaminen hängt jedoch auch von der Tumorart, von Alter und körperlicher Aktivität des Patienten ab, so dass es meist nicht möglich ist, pauschale Empfehlungen zu geben.

Benötigen Krebskranke spezielle Vitaminpräparate?

Zusätzliche Vitamine benötigen in der Regel höchstens Patienten, die einen klinisch nachgewiesenen Vitaminmangel haben. Dies kann zum Beispiel bei Patienten der Fall sein, denen aufgrund einer Tumorerkrankung der Magen ganz oder teilweise entfernt werden musste. Sie können unter anderem Vitamin B12 nicht mehr ausreichend aufnehmen. Krebspatienten ohne Vitaminmangel empfehlen wir keine Nahrungsergänzungsmittel. Sie sind nicht nur unnötig – zusätzliche Vitamine können sogar schädlich sein. Stattdessen gilt: Viel Obst und Gemüse essen.

Dr. Susanne Weg-Remers: Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID)

Tobias Schwerdt, Wiesenbach

Wie steht es mit einzelnen Lebensmitteln, die bei Krebs helfen sollen, wie Brokkoli oder Seefisch?

Bei Meldungen, dass fetter Fisch, Brokkoli, Soja oder ein anderes Lebensmittel gegen Krebs hilft, sollte man vorsichtig sein. Denn eine einseitige Ernährung ist auf keinen Fall empfehlenswert und kann zu Nährstoffmängeln führen. Natürlich ist zum Beispiel Fisch generell gesund und eine gute Eiweißquelle, also ein guter Ersatz für Fleisch. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ja, rotes Fleisch und Wurst nur in kleinen Mengen zu essen, da größere Mengen das Krebsrisiko erhöhen können.

Gibt es spezielle Krebsdiäten?

Generell empfehlen wir – wie auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin – keine speziellen Krebsdiäten. Denn für keine der zahlreichen Diäten, die von verschiedenen Seiten vorgeschlagen werden, ist eine Wirksamkeit belegt. Versuche, mithilfe einer strengen Diät den Krebs "auszuhungern", sind nicht ratsam und können schädlich sein.

Auch Übergewichtige sollten während der Therapie nicht hungern. Ihr Körper braucht dann all seine Energie, um den Krebs zu bekämpfen und die Nebenwirkungen der Behandlung wegzustecken. Erst nach Abschluss der Erstbehandlung, beispielsweise in der Reha, sollten sie anfangen abzunehmen. Bei bestimmten Krebsarten ist das dann aber besonders wichtig. So sinkt das Rückfallrisiko bei Brustkrebs durch Abnehmen  und eine fettreduzierte, ballaststoffreiche Diät.

Warum schaffen es viele Patienten nicht, ausreichend Energie aufzunehmen?

Bei Krebs können unterschiedliche Probleme auftreten: Appetitlosigkeit ist eine häufige Komplikation. Dann ist es sinnvoll, wenn sich der Patient ausgewogen ernährt und vor allem isst, was ihm besonders gut schmeckt. Aber auch appetitsteigernde Medikamente können helfen.

Durch Chemo- oder Strahlentherapie kann es zu Schleimhautentzündungen kommen, die die Nahrungsaufnahme erschweren. Außerdem können Übelkeit und Erbrechen auftreten. All dies kann Probleme mit der Nährstoffaufnahme mit sich bringen. Entsprechende Medikamente können gegen die Übelkeit helfen, bei Nährstoffmangel gibt es ergänzende Zusatznahrung.

Von einer Kachexie spricht man, wenn Stoffwechselveränderungen durch den Tumor selbst zu einer Auszehrung führen und der Patient stark abnimmt. Eine vermehrte Nahrungsaufnahme hilft dann meist nicht – oft ist eine Ernährungstherapie notwendig.

Wann ist der Gewichtsverlust so stark, dass er behandelt werden muss?

Der Ernährungszustand eines jeden Patienten sollte bei der Aufnahme in die Klinik sowie während der Behandlung regelmäßig alle vier bis sechs Wochen überprüft werden. Eine Mangelernährung droht, wenn der BMI unter 18,5 liegt oder der Patient in letzter Zeit ohne sein Zutun mehr als 10 Prozent seines Gewichts abgenommen hat. Auch auf Menschen mit einem BMI von unter 20, die kürzlich mehr als fünf Prozent abgenommen haben, trifft das zu.  Vor allem vor einer größeren Operation sollte ein Patient ausreichend ernährt sein. Bei drohender oder bestehender Mangelernährung kann eine Ernährungstherapie helfen. Sie wird von Ärzten außerdem angeordnet, wenn absehbar ist, dass der Patient wegen einer geplanten Operation für fünf bis sieben Tage nicht regulär essen kann.

Wie genau sieht eine Ernährungstherapie aus?

Dabei geht der Arzt nach einem Stufenschema vor: Zuerst verordnet er eine Ernährungsberatung, wo der Patient erfährt, wie er seinen Kalorienbedarf decken kann und worauf er achten sollte. Gelingt das nicht, wird der Arzt als nächstes eine Speisenanreicherung empfehlen. Dabei rührt der Patient energiereiches Pulver unter sein Essen oder ergänzt es mit Trinknahrung. Bei manchen Krebsarten fällt den Patienten das Schlucken schwer oder ihre Verdauung ist beeinträchtigt. Dann können sie mithilfe einer Sonde ernährt werden. Falls das nicht reicht oder nicht möglich ist, kann der Arzt eine Nährstofflösung über eine Vene verabreichen.

Warum ist die Ernährungsberatung am Anfang so wichtig?

Krebspatienten sollten wenn irgend möglich normal essen, eine Ernährungstherapie sollte – falls sie nötig ist – am besten nur eine Ergänzung sein. Generell ist bei Krebs eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Wir beobachten aber häufig, dass vielen Menschen nicht klar ist, was man darunter versteht. Deshalb ist die Ernährungsberatung durch eine qualifizierte Fachkraft auf jeden Fall sinnvoll. Sie wird für Krebspatienten in der Regel von der Kasse bezahlt und nach ärztlicher Verordnung zum Beispiel in den Tumorzentren angeboten.

Während einer Krebsbehandlung sollten Patienten auf jeden Fall darauf achten, mit Genuss zu essen. Es bringt nichts, sich alles zu verkneifen, um den Tumor vermeintlich auszuhungern. Stattdessen sollten sich Betroffene auch mal ein Stück Kuchen gönnen. Das ist ein wichtiges Stück Lebensqualität, auf das sie nicht verzichten sollten.

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Bildnachweis: Tobias Schwerdt, Wiesenbach, © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum, Plainpicture / GmbH

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